In der Schweiz lief es typisch. Es dauerte recht lange, bis der Bundesrat einschneidende Massnahmen traf. Dann jedoch wurde Stufe um Stufe des Pandemieplans gezündet. Die Nachbarländer haben teilweise deutlich später reagiert, dafür dann direkt eine Ausgangssperre eingeführt – immerhin eine der grössten Einschränkungen der persönlichen Freiheit der Bürger. Die Regierungen einiger europäischer Länder verzichten sogar auf Verbote, sondern geben nur Empfehlungen ab (Stand 24.4.2020).

Für Diskussionsstoff sorgte in der Schweiz – das war zu erwarten – der Föderalismus. Die Kantonsregierungen waren sich nicht immer einig, welche Massnahmen angezeigt wären. Selbst als der Bundesrat die ausserordentliche Lage ausrief, die gemäss Epidemiengesetz ihm sehr weitreichende Kompetenzen einräumt, wollten manche Kantone eigene, meist schärfere Bestimmungen durchsetzen. Dieses Problem war auch in Deutschland zu beobachten. Bundesweit einheitliche Massnahmen konnten dort wenn überhaupt nur nach zähen Diskussionen umgesetzt werden.

Für Zahnärztinnen und Zahnärzte in vielen Ländern ist die Situation unübersichtlich. Die Behörden erlassen teilweise konkrete Anweisungen – wobei auch diese Raum für Interpretation lassen –, teilweise werden aber auch nur Empfehlungen gegeben. Dazu kommen Anweisungen und Empfehlungen der Berufsorganisationen. Die Bestimmungen sind deshalb nicht einheitlich.

Im Folgenden ein Überblick über einige europäische Länder.

  • In der Schweiz verordnete der Bundesrat mit der Erklärung der ausserordentlichen Lage, dass Spitäler und Arztpraxen geöffnet bleiben, jedoch auf nicht dringend angezeigte Eingriffe und Therapien verzichten müssen. Er übertrug den Gesundheitsfachpersonen die Verantwortung zu entscheiden, welche Eingriffe effektiv verboten sind. Eine abschliessende Liste aller zulässigen medizinischen Eingriffe sei nicht möglich, heisst es in den Erläuterungen zur Verordnung. Für die Zahnärzte präzisierte die Vereinigung der Kantonszahnärztinnen und Kantonszahnärzte der Schweiz (VKZS) die Weisungen des Bundes dahingehend, dass Dentalhygiene- und Prophylaxesitzungen, zahnärztliche Kontrollen und Kariessanierungen verschoben werden müssen, ebenso prothetische Arbeiten und elektive chirurgische Eingriffe. In der Kieferothopädie sind nur unaufschiebbare Verlaufskontrollen und Notfallbehandlungen erlaubt.
  • Deutsche Zahnärzte dürfen weiterhin praktizieren. Die Bundeszahnärztekammer empfiehlt jedoch zusammen mit dem Patienten zu entscheiden, ob die Behandlung nicht aufgeschoben kann. Eine behördlich angeordnete Schliessung der Praxen steht offenbar nicht zur Diskussion, das sei auch auch rechtlichen Gründen nicht ohne weiteres möglich. Diese Situation empfinden viele Praktiker als unbefriedigend. Sie fühlen sich allen gelassen mit der Entscheidung, welche Patienten sie noch behandeln sollen und welche nicht mehr. Einige Praxen empfangen von sich aus nur noch Notfallpatienten, andere machen weiter, nur schon um den Verdienstausfall so niedrig wie möglich zu halten. Einige forderten ein Vorgehen, wie die Schweiz es vorgemacht hat.
  • In Frankreich ist der Ordre national des chirurgiens-dentistes (ONCD) die zuständige Regulierungsbehörde. Am 19. März gab sie bekannt, dass alle Zahnarztpraxen ihre Türen schliessen müssen. Patienten, die eine Notfallbehandlung brauchen, sollen zunächst telefonisch beraten und falls nötig an dafür vorgesehene Praxen verwiesen werden.
  • In Irland haben die meisten Praxen freiwillig geschlossen, weil sich die Empfehlungen der zahnärztlichen Regulierungsbehörde und der Gesundheitsbehörde widersprechen.
  • Im Gegensatz dazu hat sich das niederländische Gesundheitsministerium den Empfehlungen der Zahnärzteverbände angeschlossen, vorläufig keine Behandlungen mehr durchzuführen. Ansonsten gab es keine behördlichen Anordnungen.
  • Obwohl das spanische Gesundheitswesen mit vielen Covid-19-Ansteckungen kämpft, müssen Zahnärzte ihre Praxis nicht schliessen. Die meisten haben das aber freiwillig getan und behandeln nur noch Notfälle. Ausserdem mangelt es an Schutzkleidung und -ausrüstung.
  • Die Österreichische Zahnärztekammer rät, Behandlungen auf das zahnmedizinisch Notwendigste zu beschränken und auf Notbetrieb umzustellen. Es obliegt aber «im Sinn der freien Berufsausübung» dem Praxisinhaber, ob er sich an die Empfehlung hält.
  • Anders im Nachbarland Slowenien: Dort ordnete das Gesundheitsministerium die Schliessung aller Zahnarztpraxen an. Für die Behandlung von zahnmedizinischen Notfällen wurden sieben Praxen oder Kliniken ausgewählt und eingerichtet.
  • Italien steht unter Quarantäne, die meisten Praxen sind geschlossen, wenige behandeln noch Notfälle. Diese haben kaum noch Schutzmasken zur Verfügung.

Quellen: Websites der Berufsorganisationen, www.zm-online.de/news/politik/diese-regeln-gelten-fuer-die-zahnaerzte-in-europa/