Zum Frühstück ein Energydrink, vielleicht ein Schokoriegel oder auch gar nichts, wenn die Zeit knapp ist; und zum Mittagessen Pizza oder ein Sandwich zum Mitnehmen. Im stressigen Schulalltag ernähren sich Kinder und Jugendliche oft ungesund. Ihre Mahlzeiten enthalten zu viel Zucker, Fett und Salz.

Ein Forscherteam aus England ging der Frage nach, inwiefern sich die Ernährung auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen auswirkt. Dazu werteten sie die Daten einer Befragung von rund 9000 Kindern und Jugendlichen in Ostengland aus. Die Befragten gaben an, ob und was sie am Tag zuvor gefrühstückt hatten, woher sie ihr Mittagessen erhielten und wie viel Obst und Gemüse sie gegessen hatten. Gleichzeitig wurden Fragen zum psychischen Wohlbefinden gestellt, zum Beispiel ob sie sich in der Schule und zu Hause sicher fühlen. Daraus lässt sich ein sogenannter Mental Score ableiten.

«Fünf am Tag»

Wie in der Schweiz gilt auch in England die Empfehlung «Fünf am Tag», also fünfmal täglich eine Portion Obst oder Gemüse zu essen. Von den befragten Jugendlichen hatten jedoch nur 25 Prozent am Vortag diese Menge konsumiert. Und der Vergleich aller Mental Scores zeigt: Je mehr Früchte und Gemüse die über Zwölfjährigen essen, desto besser ist ihre psychische Verfassung.

Auch bei den Frühstücksgewohnheiten ist ein Zusammenhang sichtbar. Das grösste psychische Wohlbefinden zeigte sich sowohl bei Kindern als auch bei Jugendlichen, die konventionell frühstücken, sich also zum Beispiel mit Brot, Joghurt, Obst und Zerealien stärken. Deutlich niedriger waren die Werte von Schülerinnen und Schülern, die ohne Frühstück aus dem Haus gingen.

Beim Mittagessen zeigt sich ein ähnliches Bild: Die höchsten Werte für psychisches Wohlbefinden hatten Jugendliche, die ihr Essen von zu Hause mitbrachten oder die sich in der Schulkantine verpflegten. Am anderen Ende der Skala befinden sich jene Jugendlichen, die am Mittag gar nichts gegessen hatten.

Psyche beeinflusst auch Ernährung

«Die Studie aus England zeigt uns, wie wichtig eine ausgewogene Ernährung und regelmässige Mahlzeiten für Kinder und Jugendliche sind. Das ist aus physiologischer Sicht unbestritten», sagt Ronia Schiftan, freischaffende Psychologin mit Schwerpunkt Ernährungspsychologie aus Bern. «Wenn Kinder am Morgen oder in der Mittagspause gar nichts essen, sind sie unterzuckert. Das kann sich auf die Leistungsfähigkeit und auf das psychische Wohlbefinden auswirken.» Solche Untersuchungen zur Ernährung bergen jedoch fast immer das Problem, dass viele verschiedene Faktoren im Spiel sind, die sich gegenseitig beeinflussen können. Möglich sei deshalb auch eine Wirkung in umgekehrter Richtung: «Wie wir uns fühlen, beeinflusst, was wir essen.»

Auch das Wie ist relevant

Wichtig sei auch, unter welchen Bedingungen Kinder und Jugendliche essen, betont Ronia Schiftan: Hat das Kind beim Essen Gesellschaft? Läuft der Fernseher während der Mahlzeit? Ist die Pause lange genug? Herrscht eine entspannte Atmosphäre? Isst ein Kind in der Znünipause zum Beispiel täglich einen Apfel, muss diesen aber schnell hinunterwürgen, damit noch Zeit bleibt zum Spielen, dann ist das dem psychischen Wohlbefinden nicht zuträglich.

Nicht nur Zeitdruck, sondern auch psychischer Druck kann kontraproduktiv sein. Eltern, deren Kind eine Zeit lang partout kein Gemüse essen will, sollten also nicht auf Zwang setzen. Besser wirke es, wenn die Erwachsenen mit gutem Beispiel vorangingen, so die Psychologin. «Man kann Kinder bei der Menüplanung mitreden und beim Kochen helfen lassen sowie verschiedene Geschmacksrichtungen und Zubereitungsarten ausprobieren.» Für das psychische Wohlbefinden sei neben der Ernährung aber vor allem das emotionale Setting wichtig: «Kinder sollen sich in einem liebevollen Umfeld bewegen können, sie sollen ermutigt und bestärkt werden und lernen, ihre Gefühle zu äussern.» All dies fördere das psychische Wohlbefinden stärker als fünf Portionen Gemüse am Tag.

Die Ernährung kann man selbst steuern

Ein gesundes Essen in der Schulkantine allein wird deshalb die psychische Verfassung von Kindern und Jugendlichen kaum von Grund auf verändern. Auch die Ernährungswissenschaftler aus England geben zu bedenken, dass das psychische Wohlbefinden durch mehrere Faktoren beeinflusst wird. Neben der Ernährung seien dies biologische und genetische Voraussetzungen sowie demografische und gesellschaftliche Entwicklungen, so die Autoren. Doch sie betonen: Von all diesen Faktoren ist die Ernährung der einzige, den man zumindest teilweise steuern kann.

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation zwischen SDJ und dem Bulletin für die Schulzahnpflege Nr. 154.