Wer als Arzt oder Ärztin in der Schweiz praktiziert, ist im Medizinalberuferegister, kurz MedReg, eingetragen. Auch Patientinnen und Patienten können sich dort informieren. Jedenfalls meistens. Denn immer wieder kursieren in Ärztekreisen Bemerkungen, das MedReg werde zu wenig akkurat nachgeführt. Mitunter seien die Daten veraltet und beispielsweise der Status weggezogener oder verstorbener Ärztinnen und Ärzte nicht aktualisiert. Ist dies ein breit erkanntes Problem, oder handelt es sich um Einzelfälle? Und wer ist überhaupt zuständig? Eine Spurensuche.

Schutz der Patientinnen und Patienten

Betrieben wird das Register vom Bundesamt für Gesundheit (BAG). Nebst Ärztinnen und Ärzten verzeichnet es alle weiteren universitären Medizinalpersonen wie Zahnärztinnen, Chiropraktoren, Apothekerinnen und Tierärzte. Der Bund stellt mit dem Register eine Plattform zur Verfügung, die allen kantonalen Aufsichtsbehörden Zugang zu Bewilligungsdaten und allfälligen Disziplinarmassnahmen der anderen Kantone gibt. «Das MedReg leistet somit einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Patientinnen und Patienten und des Berufsstandes der Medizinalpersonen», schreibt das BAG auf seiner Website.

Das MedReg dient aber nicht nur den Behörden, sondern auch der Information der Öffentlichkeit. Denn im Registereintrag einer jeden Medizinalperson stehen neben der Praxisadresse auch die erworbenen Diplome, Weiterbildungstitel, Spezialisierungen sowie Sprachkenntnisse. Patienten und Patientinnen können sich so über die Fähigkeiten der Person informieren. Auch allfällige Auflagen und Einschränkungen der Berufsausübungsbewilligung sind dort einsehbar.

Mosaik aus Datenlieferanten

Für die Aktualisierung der Bewilligungsdaten sind die Kantone zuständig. Bezüglich Weiterbildungen melden die Weiterbildungsorganisationen jede Erteilung eines eidgenössischen Weiterbildungstitels. Für andere Informationen wie die Praxisadresse sind die Behörden auf die Meldung durch die Medizinalpersonen selbst angewiesen, schreibt das BAG auf Anfrage. Zieht jemand weg oder lässt sich pensionieren, ist er verpflichtet, dies den entsprechenden kantonalen Behörden zu melden. «Häufig scheitern also die nicht vorgenommenen Aktualisierungen an den fehlenden Mitteilungen seitens Medizinalpersonen.» Wird eine Meldung von der zuständigen Stelle nicht vollzogen, rät das BAG dazu, direkt bei der Stelle zu intervenieren.

Die Meldeabläufe werden jedoch laufend vereinfacht und digitalisiert, wie das BAG schreibt. Beispielsweise werden neu regelmässig die AHV-Nummern und Sterbedaten ins MedReg eingelesen. Diese Daten müssen also nicht mehr von den Medizinalpersonen beziehungsweise deren Angehörigen aktiv gemeldet werden. Aus Sicht des Bundes funktioniert das System. Die Daten im MedReg seien grösstenteils auf dem aktuellen Stand. Wie sieht es aus Perspektive der anderen Akteure aus?

Bewilligungsstatus ist Kernanliegen

«Dass Einträge nicht nachgetragen sind, kommt vor», schreibt die FMH auf Anfrage. Wie häufig dies der Fall sei, sei jedoch schwierig zu beurteilen. «Wir bemerken dies in der Regel nur, wenn ein Arzt uns eine Bewilligung zustellt, die nicht eingetragen ist.» Wenn die kantonalen Behörden Bewilligungen nicht zeitnah nachtragen, könne dies für die betroffene Person zu Problemen führen, denn das MedReg gelte als Referenz. Grundsätzlich verfüge das MedReg aber über gute Daten, und es sei wohl fast unmöglich, ein komplett fehlerfreies und vollständiges Register zu führen. Auch die Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK) sieht den Zweck des MedReg gegenwärtig als erfüllt an, denn: «Das MedReg gibt Auskunft über den Bewilligungsstatus. Diese Information ist nur im MedReg vorhanden», schreibt sie auf Anfrage.

Die GDK regt an, dass bei Eintragungen, die Sanktionen betreffen, Push-Meldungen an die kantonalen Aufsichtsbehörden sinnvoll sein könnten. Und auf gesetzgeberischer Ebene wäre laut GDK allenfalls zu prüfen, ob ein Bewilligungsentzug in einem Kanton automatisch für die ganze Schweiz gelten sollte – beim Berufsverbot als Disziplinarmassnahme ist dies bereits der Fall.

Unstimmigkeiten melden

Informationen dazu, in welcher Praxis ein Arzt oder eine Ärztin arbeite oder ob die Praxis umgezogen sei, seien für die Patientinnen und Patienten direkt zugänglich, beispielsweise via Praxiswebsite. «Wir gehen eher nicht davon aus, dass Patientinnen und Patienten das MedReg konsultieren, um sich die Koordinaten von Arztpraxen oder bestimmten Ärztinnen und Ärzten zu beschaffen», schreibt die GDK auf Anfrage.

Die Kantone verfügten in der Regel auch nicht über die nötigen personellen Ressourcen, um sämtliche Einträge zu den Medizinalpersonen mit einer Berufsausübungsbewilligung (BAB) in engen Abständen auf ihre Korrektheit zu überprüfen. Einige Kantone würden die Bewilligungen deshalb befristen. Für eine Verlängerung müssen die Medizinalpersonen in diesen Kantonen belegen können, dass sie immer noch alle Bewilligungsvoraussetzungen erfüllen. Dieses Vorgehen kann indirekt auch dazu dienen, die Angaben im Register aktuell zu halten.

Eine andere Möglichkeit sei, das Medizinalberuferegister noch bekannter zu machen, damit auch Patientinnen und Patienten bei Unstimmigkeiten den Aufsichtsbehörden Meldung machen können. Aber auch Fachgesellschaften und Berufskolleginnen und -kollegen können solche Meldungen machen. «Nur wenn die Behörden Kenntnis haben von möglichen Missständen, können sie Untersuchungen durchführen und gegebenenfalls intervenieren», schreibt die GDK.

Dieser Artikel ist ein Nachdruck aus doc.be, dem Magazin der Ärztegesellschaft des Kantons Bern.