«Das Milizsystem ist ein unverzichtbares Wesensmerkmal der Schweizer Demokratie. Deshalb sind Sie hier im Saal das politische Kapital der Schweiz!», erklärte Marco Tackenberg, Leiter des SSO-Presse- und Inforationsdienstes. Verbände, Kommissionen oder Vereine haben Mühe, freie Sitze zu besetzen. Dies obwohl ein Milizamt viele Türen öffnet und Einblick in interessante Gebiete ermöglicht. Um die Milizkader des Berufsverbands in Bereichen wie Verbandspolitik, Medienarbeit oder Sitzungsleitung zu unterstützen, wurde vor sieben Jahren der erste SSO-Kader tag durchgeführt. 2019 fand der Anlass im Kursaal Bern zum fünften Mal statt.

Wie arbeiten Journalisten?

Antonio Fumagalli, Westschweizkorrespondent der NZZ, erzählte als erster Referent aus dem Alltag eines Medienschaffenden. Die Schweizer Medienlandschaft hat sich verändert. Etablierte Zeitungen sind verschwunden, neue Medienunternehmen versuchen ein Stück des schwindenden Kuchens zu ergattern. Allen Veränderungen zum Trotz sehen viele Journalisten sich noch immer in der Rolle der vierten Gewalt. Sie wollen Machtmissbrauch ahnden und das politische Geschehen beeinflussen.

Wie soll ein Zahnarzt oder ein Sektionspräsident reagieren, wenn ein Journalist um eine Stellungnahme bittet? «Journalisten sind nicht Ihre Feinde», betonte Antonio Fumagalli. «Meistens gestaltet sich der Kontakt einfacher und menschlicher als befürchtet». Sein Tipp an die SSO-Kader: Kurze, prägnante Antworten in möglichst kurzer Zeit helfen dem Journalisten am meisten. Auf eine Anfrage gar nicht zu reagieren hingegen sei fast immer ein Fehler. In der Schweiz ist es üblich, dass man seine Zitate gegenlesen darf. Das darf und soll man einfordern.

Sollte die Zusammenarbeit mit einem Medium unbefriedigend enden, empfiehlt Fumagalli, zunächst das Gespräch mit dem Journalisten zu suchen. Weitere Reaktionsmöglichkeiten sind ein Leserbrief, eine Gegendarstellung oder – in schweren Fällen – die Anrufung des Presserats.

Zahnmedizinische Versorgung im Vergleich

Der Gesundheitsökonom Willy Oggier hat im Auftrag der SSO die Modelle der zahnmedizinischen Versorgung in vier Ländern verglichen. Während die Schweiz auf ein liberales Versorgungsmodell setzt, gibt es in Frankreich, Deutschland und Österreich staatliche Versicherungen. Oggiers Studie zeigt, dass in diesen Ländern viele der behaupteten Vorteile der obligatorischen Zahnversicherung nur für einen sehr eingeschränkten Leistungsbereich gelten. Und die Versicherten müssen in der Regel auch für die abgedeckten Leistungen Zuzahlungen leisten. «Ein notwendiger Zahnersatz ist deshalb zum Beispiel in Deutschland für viele Patienten trotz Versicherung ein riesiges Problem», legte Oggier den SSO- Kadern dar. Ausserdem untergrabe eine obligatorische Zahnversicherung die Bemühungen um Prophylaxe.

Gehe man davon aus, dass Karies und Parodontitis durch Prophylaxe weitgehend vermieden werden können, biete das Schweizer Modell der Zahnmedizin viele Vorzüge – sowohl für gut als auch für wenig verdienende Patienten. Gefährdet werde dieses Modell jedoch durch «Rappenspalterkantone», die sich aus finanziellen Gründen aus der Schulzahnpflege zurückziehen.

Die SSO hilft, das System zu verbessern

Natürlich könne man auch das liberale Schweizer System optimieren, fuhr Oggier fort. Unter gewissen Umständen werden Zahnbehandlungen durch die Krankenkasse, die Unfallversicherung, durch Ergänzungsleistungen oder private Hilfswerke übernommen. Umfragen zeigen jedoch, dass ausgerechnet Bevölkerungsgruppen mit kleinen Einkommen das nicht wissen. «Wenn der Staat diese Informationen nicht bereitstellt, müssen Institutionen und Verbände wie die SSO einspringen», meint Willy Oggier. Deshalb lanciert die SSO in den nächsten Monaten ein Pilotprojekt, das dieses Informationsmanko ausgleichen soll. Die ausführlichen Resultate der Ländervergleichsstudie von Willy Oggier sind im Artikel «Zahnmedizinische Versorgung: die Schweiz im Vergleich», SDJ 5/2019, zusammengefasst.

Wege zum Erfolg

In der SSO und ihren Sektionen arbeiten Zahnärztinnen und Zahärzte mit Verbandsmanagerinnen und Verbandsmanagern Hand in Hand. Wie dieses Zusammenspiel gelingt, erklärte nach der Mittagspause Charles Giroud, Berater und Partner der B’VM Beratergruppe für Verbands- Management.

Der Referent nannte drei Klippen der Verbandsarbeit, die zu Konflikten führen können: das Spannungsfeld zwischen Sektionen und Zentralvorstand, jenes zwischen Stabsstellen und Entscheidern sowie ein weiteres zwischen ehrenamtlich und hauptamtlich Tätigen. Als Erfolg versprechende Lösungsansätze riet Giroud beispielsweise offene Fragen intern zu diskutieren, nach aussen aber eine Meinung zu vertreten. Jede Stelle sollte ihre Kompetenz einbringen können. Und die Zusammenarbeit müsse auf Augenhöhe stattfinden.

Stolpersteine für Versammlungsleitende

Die letzte Referentin des Kadertages war Sarina Keller, juristische Mitarbeiterin des SSO-Sekretariats. Ihr Vortrag richtete sich an jene Zuhörer im Publikum, die regelmässig Versammlungen leiten, Anträge einreichen und Beschlüsse fassen. «Dabei genügt es nicht, es gut zu machen», sagte die Juristin. «Gewisse Dinge muss man einfach wissen.»

Ein häufiger Stolperstein sei die ordnungsgemässe Einberufung der Versammlung. Sarina Keller empfahl den SSO-Kadern eine Checkliste mit den entsprechenden Terminen zu führen. Ebenfalls wichtig zu wissen: Viele Regeln sind nicht gesetzlich vorgeschrieben, sondern in den Statuten des jeweiligen Vereins festgehalten. Zum Beispiel, ob über nicht traktandierte Geschäfte abgestimmt werden darf, oder ob für eine Abstimmung ein Präsenzquorum nötig ist. Weiter gab Sarina Keller folgenden Tipp: «Im Dschungel von Anträgen, Unteranträgen und Gegenanträgen kann man sich leicht verirren. Lassen Sie sich deshalb Zeit, wenn es zur Abstimmung kommt». Zum Beispiel eine kurze Versammlungspause einlegen, um die Antröge in Ruhe sortieren zu können. Zuletzt gab sie ihren Zuhörerinnen und Zuhörern eine nützliche Checkliste mit auf den Nachhauseweg.

Die Unterlagen der Referenten sind im Mitgliederbereich der SSO-Website aufgeschaltet (Standespolitik > Kadertag).