Im Rahmen eines Symposiums zum Thema Fluoridkonzentration in Kinderzahnpasten wurden folgende neue Empfehlungen für die BRD zur Anwendung von Kinderzahnpasten beschlossen:

Ab Durchbruch des ersten Zahnes bis zum 2. Geburtstag:
• 2-mal tägl. Zähneputzen mit einer erbsengrossen Menge Zahnpasta (500 ppm)
oder
• 2-mal tägl. Zähneputzen mit einer reiskorngrossen Menge Zahnpasta (1000 ppm)


Bei diesen Alternativen werden jeweils gleich grosse Mengen Fluorid verwendet, sodass sie als Äquivalent anzusehen sind. Die Alternative soll Zahnärzten und Eltern die Möglichkeit eröffnen, zu wählen, was für sie praktischer ist.

Vom 2. bis 6. Geburtstag:
• 2-mal tägl. Zähneputzen mit einer erbsengrossen Menge Zahnpasta (1000 ppm)

Zusätzlich sollen die Hersteller dieser Zahnpasten dazu gebracht werden, Kinderzahnpasten mit Tubenöffnung und einer Viskosität auszustatten, welche die Applikation einer reiskornbzw. erbsengrossen Menge ermöglicht.

Diese Empfehlungen wiedersprechen zum Teil den Empfehlungen in der Schweiz und haben bereits zu entsprechenden Rückfragen geführt. Im Frühjahr 2019 fand daher eine gemeinsame Sitzung der Mitgliedern der IUSP (Interuniversitäre Studiengruppe für zahnmedizinische Prophylaxefragen der Universitäten Bern, Basel, Genf und Zürich) statt, in der diese neuen Empfehlungen aus Deutschland besprochen wurden. Um die bestehenden Widersprüche zu bereinigen, wurde folgende Ergänzung der bestehenden Empfehlungen beschlossen:

«Bei einem erhöhten Kariesrisiko (bereits vorhandene kariöse Dentinläsionen oder White Spots an Milchzähnen) wird ab zwei Jahren die Verwendung einer Zahnpasta mit 0,1% bzw. 1000 ppm Fluorid anstatt der normalen ‹Kinderzahnpasta› empfohlen.» In diesem Falle muss das Risiko für die Entstehung von Fluorosen gegenüber dem Risiko der Kariesentstehung als geringer eingestuft werden.

Da zum Zeitpunkt der Sitzung noch keine Kinder- (bzw. Junior-)Zahnpasta mit 1000 ppm Fluorid auf dem Schweizer Markt erhältlich war und weil es mit den meisten Tuben nicht – wie gefordert – möglich ist, eine reiskorngrossen Menge auszudrücken, wurde das bisher gütige Schema «Empfehlungen für den Gebrauch von Fluoriden in der Schweiz» nur modifiziert.Mit den geänderten und von der Swissmedic genehmigten Fach informationen bei hochdosierten Fluoridpräparaten im Bereich der Fluoridanwendung im Rahmen der Schulzahnpflege (Kariesprophylaxe) haben sich nun die Bedingungen bezüglich der Anwendung von Fluoridgelées bei den Zahnputzinstruktionen in den Schulen geändert. Bis anhin war es so, dass die Zahnputzinstruktionen mit Fluoridgelées erfolgten und diese anschliessend nur ausgespuckt wurden. Aufgrund der geänderten Anwendungsinstruktionen müssen die Fluoridgelées nun ausgespült werden, was organisatorisch und auch infrastrukturell nicht immer umzusetzen ist. Diese Neuerung hat zu einigen Verwirrungen, insbesondere bei den Schulzahnpflegeinstruktorinnen und den Schulzahnärzten, geführt. Es gilt zu beachten, dass die Anwendung von hochkonzentrierten Fluoridpräparaten den gesetzlichen Bestimmungen unterliegt, und die Produkte gemäss den Packungsbeilagen angewendet werden müssen. Um dieses «Problem» anzugehen, erfolgte am 4.2.2020 eine gemeinsame Sitzung von Prof. em. Adrian Lussi, Dr. Giorgi Menghini und Prof. Hendrik Meyer-Lückel (Mitglieder der IUSP), Dr. Peter Suter (Präsident der Vereinigung der Kantonszahnärzte) und Dr. Stephan Luterbacher (Kantonsapotheker Kanton Luzern) sowie PD Dr. Florian Wegehaupt (SSO-Beauftragter für Jod- und Fluoridfragen) in Luzern.

Aufgrund der oben genannten gesetzlichen Vorgaben ist eine weitere Anwendung von Fluoridgelées im Rahmen der Zahnputzinstruktionen ohne Ausspülen nicht zulässig. Aus präventiven zahnmedizinischen Überlegungen und unter Berücksichtigung der aktuellen epidemiologischen Bedingungen ist ein Festhalten an der Verwendung von Fluoridgelées bei den Zahnbürstübungen nicht angebracht.

Basierend auf dem zuvor genannten wurde daher folgende Position bezogen:

Für die Zahnbürstübungen im Rahmen der Schulzahnpflege ist vorzugsweise eine altersgerechte (laut Packungsbeilage) «junior» oder «normale»Fluoridzahnpasta zu verwenden, oder es kann auch Fluoridgelée, entsprechend den Anweisungen auf dem Beipackzettel, benützt werden. Der Prophylaxeunterricht ist ein Teil des Lehrplans und wesentlicher Bestandteil der Mundgesundheit. Schwerpunkt des Unterrichts ist das Verständnis über Mundhygiene, gesunde Ernährung und weitere Möglichkeiten zur Verhinderung von Karies.

Unabhängig von den Neuerungen besteht selbstverständlich wie bei allen Produkten die Möglichkeit einer sogenannten Off-Label-Nutzung von Fluoridgelées durch Zahnärztinnen und Zahnärzte.

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