Rund 30 angehende Schulzahnpflege-Instruktorinnen (SZPI) haben sich im Seminarsaal in Zürich zusammengefunden. Sie sind aus allen Landesteilen angereist, um den zweitägigen Einführungskurs zu besuchen, der sie auf ihre Arbeit in den Schulklassen vorbereitet. Darunter Dentalassistentinnen, Lehrpersonen, Heilpädagoginnen, aber auch Frauen aus themenfremden Berufen. Die Stimmung ist locker. Einige kennen sich bereits aus dem vorangegangenen Vorkurs – ein zusätzliches Lehrangebot, das sich an künftige SZPI ohne zahnmedizinische Vorbildung richtet.

Die SZPI sind gefordert und fördern

Koordiniert und organisiert wird das Kursangebot durch die Stiftung für Schulzahnpflege-Instruktorinnen, die in der Förderung der Mundgesundheit im Rahmen der Schulzahnpflege als Beratungsstelle für Gemeinden, Kantone, Schulbehörden und Öffentlichkeit agiert. In diesem Umfeld nehmen die SZPI vielschichtige Aufgaben wahr. Beschränkte sich ihre Tätigkeit in den Schulklassen vor vielen Jahren vor allem noch auf die Fluoridierung, geht es heute um weit mehr als «nur» den Kindern die richtige Zahnputztechnik beizubringen. In den meisten Gemeinden ist eine ganze Schullektion für den Besuch der SZPI reserviert. Dabei wird den Kindern nebst dem richtigen Umgang mit der Zahnbürste auch der Zusammenhang zwischen Mundgesundheit, Ernährung und der allgemeinen Gesundheit aufgezeigt.

Gesunde Zähne, gesunder Körper

Unsere Gesellschaft wird immer älter. Viele wissenschaftliche Studien belegen den direkten Zusammenhang zwischen Zahngesundheit und dem allgemeinen körperlichen Wohlbefinden. Dass Kinder bereits früh lernen, ihren Zähnen Sorge zu tragen, ist deshalb doppelt wichtig. Mit dem Thema Gesundheit im Kontext der Mundgesundheit steht den Schulzahnpflege-Instruktorinnen ein breites Feld offen, in dem sie die Kinder lehren können, für sich selbst und den eigenen Körper Verantwortung zu übernehmen. Welche Ernährung ist gut für mich? Welche Zwischenmahlzeiten eignen sich als Znüni, welche nicht? In den Unterrichtseinheiten der SZPI werden die Kinder auf spielerische Art und Weise befähigt, Entscheide für ihr persönliches Wohlergehen zu treffen.
Im Seminarsaal in Zürich hat Alexandra Papandreou, Projektleiterin Schulgesundheitsdienste, mit ihrem Referat begonnen – einem von zahlreichen Fachvorträgen an diesen beiden Kurstagen, in denen den SZPI vertiefte Informationen rund um die Themen Zahnmedizin, Ernährung, Gesundheitsförderung, Pädagogik und Didaktik vermittelt werden. Aufmerksam lauschen die Zuhörerinnen den Ausführungen. Papandreou zeigt anschaulich, welche Faktoren beeinflussen, ob und wieweit wir unserer Gesundheit Sorge tragen.
Was ist gut für unsere Gesundheit, was macht uns krank? Die Weltgesundheitsorganisation WHO definiert Gesundheit als «Zustand völligen psychischen, physischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur als Freisein von Krankheit und Gebrechen». Gesundheit wird als Prozess verstanden, bei dem die verschiedenen Faktoren im Gleichgewicht sind.

Ausgleichende Wirkung der Schule

Kinder, die in einem fördernden, familiären Umfeld aufwachsen, fällt es leichter, einen gesunden Lebensstil zu entwickeln. Es gibt aber auch Eltern, denen die Zeit fehlt oder die selbst zu wenig wissen, was für ein gesundes Leben wichtig ist. Viele Studien zeigen: Der Bildungsgrad und der sozioökonomische Status der Eltern prägen die Gesundheit der Kinder massgeblich mit. Hier kann die Schule teilweise kompensieren, was in den Familien nicht vermittelt wurde. Gerade was das Gesundheitsverhalten angeht, profitieren vor allem Kinder aus sozial benachteiligten Familien vom schulischen Unterricht. Indem sie das Gelernte als Botschafter nach Hause tragen, entsteht ein zusätzlicher Multiplikationseffekt. Damit wird die Chancengleichheit aktiv gefördert. Die SZPI lehrt den Kindern, gute Angewohnheiten zu einer Regelmässigkeit zu machen. Das hilft nicht nur bei der Zahngesundheitserziehung, sondern lässt sich auch auf andere Lebensbereiche übertragen. Sie übernimmt mit ihrer Tätigkeit so eine wichtige Aufgabe für die Gesellschaft.

Theorie und Praxis verknüpft

Eine Gruppe von angehenden Schulzahnpflege-Instruktorinnen hat einen Halbkreis um eine Kursteilnehmerin gebildet. Eine überdimensionierte Zahnbürste in der einen, ein Kunststoffgebiss in der anderen Hand, demonstriert die junge Frau, wie man sich die Zähne putzt. Jede Bewegung wird mit einer klaren Anweisung untermalt. Die Zuschauerinnen machen es ihr an sich selbst nach. Eine praktische Übung, bei der es darum geht, wie man den Kindern auf spielerische Weise die korrekte Zahnputztechnik lehrt – aber auch darum, wie man selbstbewusst vor die Klasse steht.
Von den Schulzahnpflege-Instruktorinnen ist im Umgang mit den Kindern und Jugendlichen viel pädagogisch didaktisches Geschick gefragt. Eine Lektion zu strukturieren und dafür zu sorgen, dass alle Kinder gleichermassen profitieren, ist gerade für SZPI ohne pädagogische Vorbildung eine grosse Herausforderung. Entsprechend viel Raum nimmt die Vermittlung der nötigen Kompetenzen am zweitägigen Einführungskurs in Zürich ein. Wie kann ich ein motivierendes Lern­umfeld schaffen? Was muss ich beachten, um eine spannende Lektion zu gestalten? Habe ich mein Wissen altersgerecht vermittelt und das Lernziel erreicht? Fragen, mit denen sich SZPI im Unterricht wie Lehrpersonen auseinandersetzen müssen.

Positives Lernklima ist wichtig

Die Referentin Miriam Compagnoni, ehemalige Lehrerin und Psychologin, hat sich intensiv mit diesen Fragen beschäftigt. In ihrem Vortrag gibt sie den SZPI interessante Einblicke in die Entwicklung des Gehirns und zeigt anschaulich, welche Faktoren für den Lernerfolg massgebend sind. Neben der «Sachebene» prägen die Atmosphäre des Lernens, die menschliche Beziehung und die Kommunikation im Unterricht das Lernklima entscheidend mit. «Wer als SZPI begeistert, authentisch und respektvoll ist, Interesse an den Schülern und Schülerinnen sowie am Lernerfolg zeigt und sie die Aufgaben ab und zu auch selbst wählen lässt, trägt bereits viel zu einer guten Lernatmosphäre bei», so Compagnoni.

Struktur und Abwechslung

Damit der Wissenstransfer zum Alltag gelingt, ist es wichtig, ein klares, stufengerechtes Lernziel zu formulieren und die Lektion gut zu strukturieren. Ein erprobter Ansatz hierfür ist die Aufteilung der Lektion in abwechselnde Phasen der Informationsvermittlung und Arbeitsphasen. Dies dient nicht nur der zeitlichen Gliederung, sondern auch als Mittel, allen notwendigen Bestandteilen einer Lektion ihren Platz zu geben. Was das genau bedeutet, konnten die SZPI am Einführungskurs gleich in der Praxis erproben: In der Gruppe erhielten sie die Aufgabe, eine Lektion zu gestalten. Im Plenum wurden die Ergebnisse anschliessend gemeinsam besprochen und ergänzt.
Am Ende der beiden Kurstage ist der Rucksack der zukünftigen SZPI reich gefüllt mit zahnmedizinischem und pädagogischem Können und Wissen. Der Austausch und die angeregten Diskussionen haben zusätzlich wertvolle Informationen vermittelt. Gefragt nach den grössten Herausforderungen, denen eine SZPI begegnet, meint eine Kursteilnehmerin: «Dass man die Klasse nicht so gut kennt, wie eine Lehrperson, die diese häufiger unterrichtet, und man sich immer wieder situativ der Stimmung anpassen muss.» «Die Organisation der Termine und das Talent, auf die je nach Alter unterschiedlich entwickelten Fähigkeiten der Kinder eingehen zu können», meint eine andere.

Prävention ist Teamarbeit

Der Zahnpflegeunterricht für Kinder und Jugendliche ist Teil des Bildungsauftrages der Schule. Deshalb ist es wichtig, dass sich die Schulzahnpflege-Instruktorinnen in ihrer Eigenschaft als «Gastlehrerinnen» als Mitglied des Schulteams verstehen und aktiv den Austausch suchen. Letzten Endes ist die Förderung der Mundgesundheit in der Schweiz auf das gute Zusammenspiel aller beteiligten Akteure angewiesen. Dazu gehören Zahnärztinnen und Zahnärzte genauso wie die Schulzahnpflege-Instruktorinnen, die Lehrerschaft und die Industrie mit ihren speziell auf Kinder zugeschnittenen Zahnpflegeprodukten.