1. Therapiefreiheit nicht mehr garantiert

Heute bezahlen Patienten die Kosten für die Behandlung vermeidbarer Zahnerkrankungen selbst. Dafür reden sie mit: Patient und Zahnarzt legen die Art der Behandlung gemeinsam fest. Wenn eine Versicherung für die Behandlung aufkommt, bestimmt sie mit, was im Mund des Patienten geschieht.

2. Mehr Bürokratie, mehr Administration

Ein obligatorisches Versicherungsregime, das beweist das System der Kranken- und Sozialversicherer, erhöht den Zeitaufwand für den Zahnarzt und sein Praxisteam. Langwierige Abklärungen und verzögerte Kostengutsprachen sind auch für Patienten unangenehm. Doch Zahnarzt und Patient haben nur wenig wirksame Einsprachemöglichkeiten.

3. Vertrauensverhältnis Arzt-Patient beeinträchtigt

Im obligatorischen Versicherungsregime verkommt das Vertrauensverhältnis zwischen Zahnarzt und Patient zur komplizierten Dreiecksbeziehung Versicherung-Arzt-Patient. Zahnärzte könnten sich – auf Druck der Versicherung – gezwungen sehen, ihren Patienten optimale Therapien vorzuenthalten und günstigere Alternativen vorzugschlagen.

4. Anreiz zur Eigenverantwortung beseitigt

Mit einfachen, wirksamen Prophylaxemassnahmen lassen sich die meisten Zahnerkrankungen vermeiden. Das heutige System belohnt Patienten, die ihre Zähne gut pflegen. Wer die Mundhygiene vernachlässigt, spürt die Konsequenzen im eigenen Portemonnaie. Mit einer obligatorischen Zahnversicherung fiele dieser Anreiz weg. Wer seine Zähne gut pflegt, bezahlt für jene mit, die dies unterlassen.

5. Weniger Geld für die Prävention

Wenn eine obligatorische Versicherung die Behandlung von Zahnschäden übernimmt, würden die unter Spardruck stehenden Kantone und Gemeinden in der Prävention geizen – mit unliebsamen Folgen. In Regionen, wo in der Prävention gespart wurde, nahm der Kariesbefall zu – vor allem in sozial schwächeren Schichten und bei Migranten.

6. Erheblicher Anstieg der Zahnarztkosten

Eine obligatorische Zahnversicherung verteuert nicht nur die Zahnmedizin, sondern erhöht auch die Steuerund Lohnabgaben. Heute bewirken Therapiefreiheit und Eigenverantwortung der Patienten, dass die Kosten für zahnärztliche Leistungen vergleichsweise moderat steigen. 2015 beliefen sie sich auf 4 Milliarden Franken. Von 1995 bis 2015 sank der Anteil der Zahnarztkosten an den gesamten Gesundheitsausgaben von 7,1 auf 5,2 Prozent. Eine staatliche Versicherung erzielt keinen solchen kostendämpfenden Effekt. Im Gegenteil: Im Kanton Waadt schätzt der Regierungsrat, mit Blick auf den Initiativtext, dass die Versicherung jährlich mehr als 300 Millionen Franken kosten würde.

7. Gefährdete Schulzahnpflege

Die Schulzahnpflege bildet schweizweit die wichtigste Grundlage für die zahnmedizinische Betreuung von Kindern und Jugendlichen: Sie gibt allen dieselbe Chance, ihre Zähne ein Leben lang gesund zu erhalten. Auch dank dieser flächendeckenden Prophylaxe in Schweizer Schulen ist Karies bei Kindern in den letzten 50 Jahren um 90 Prozent zurückgegangen. Mit der Einführung einer obligatorischen Zahnversicherung geraten die öffentlichen Gelder für die Schulzahnpflege unter Druck.

8. Dichtes Auffangnetz der sozialen Zahnmedizin

Die Autoren der politischen Vorstösse werden nicht müde zu betonen, dass im heutigen System sozial benachteiligte Menschen den Zahnarzt nicht bezahlen können und deshalb auf eine Zahnbehandlung verzichten. Nach offiziellen Angaben des Bundesamtes für Statistik betraf dies 2016 rund 3,4 Prozent der Patienten. Armutsgefährdete Personen können aber schon heute finanzielle Unterstützung für Zahnbehandlungen beantragen, unabhängig davon ob sie Sozialhilfe in Anspruch nehmen oder nicht. Auch Hilfswerke und spezielle Fonds gewisser Wohngemeinden können Betroffene finanziell unterstützen.

9. Zahnversicherung garantiert keine umfassende Versorgung

Untersuchungen aus Frankreich, Schweden und den Niederlanden belegen, dass trotz staatlicher Sozialversicherungen zahlreiche Menschen aus finanziellen Gründen auf zahnärztliche Behandlungen verzichten. Grund: Die Versicherungen übernehmen nur einfache, ökonomische Behandlungen und erstatten die Zahnarztkosten auch nicht vollumfänglich. Kronen, Implantate und rein ästhetische Eingriffe müsste der Patient nach wie vor selbst bezahlen. Er bezahlt damit letztlich doppelt: für die Versicherung und die Zahnbehandlung.

Das heutige System der Zahnpflege in der Schweiz ist ein bewährtes Erfolgsmodell zugunsten der Patienten und der Volksgesundheit in unserem Land. Eine obligatorische, dirigistische Zahnversicherung beeinträchtigt die Qualität der persönlich abgesprochenen, individuellen Zahnbehandlung. Die schweizerische Zahnmedizin ist erfolgreich und sozial. Sie braucht kein teures Versicherungsobligatorium.