Die Schweizerische Zahnärzte-Gesellschaft SSO hat diesen Sommer nach 1981, 1994, 2001 und 2012 zum fünften Mal die in der Schweiz tätigen Zahn­ärztinnen und Zahnärzte befragt – landesweit wurden 5257 Behandler angeschrieben. An der Umfrage nahmen insgesamt 1903 Zahnmediziner teil. Dies entspricht einer Rücklaufquote von 36 Prozent. Von den Antwortenden sind 1643 Mitglieder der SSO, 260 sind Nichtmitglieder.
Der Fragebogen wurde im Vergleich zu früheren Erhebungen nur unwesentlich verändert. Dadurch lassen sich Trends und Entwicklungen in der Schweizer Zahnmedizin nachvollziehen und auswerten. Während in früheren Umfragen die Befragung mittels gedruckter Fragebögen erfolgte, konnten die Teilnehmenden bei den letzten beiden Erhebungen den Fragenbogen ­direkt am Computer ausfüllen. Onlineerhe­bun­gen haben unter anderem den Vorteil, dass sie Daten direkt erfassen und der zeitaufwendige, fehleranfällige Import entfällt.

Schweizerisches Staatsexamen

Die Anzahl von zahnärztlichen Fach­personen in der Schweiz, die das Staatsexamen an einer Schweizer Universität abgelegt haben, nimmt laufend ab. Besassen bei der Umfrage im Jahr 2001 noch 91 Prozent der Befragten ein schweizerisches Staatsexamen, sank der Anteil bis im Jahr 2019 auf 74 Prozent, ein Minus von 17 Prozentpunkten. SSO-Mitglieder besitzen mit 80 Prozent mehr als doppelt so häufig einen schweizerischen Abschluss wie Nichtmitglieder (37%). In den letzten 18 Jahren stieg der Anteil Zahnärztinnen und Zahnärzte mit ausländischem Diplom: Er hat sich seit 2001 von 14 Prozent auf 29 Prozent mehr als verdoppelt.
Auch 2019 absolvierten die meisten Zahnärztinnen und Zahnärzte das Staatsexamen in Zürich (33%). 29 Prozent promovierten an der Universität Bern, gefolgt von Basel (21%) und Genf (15%). Auffallend ist, dass sich seit 1994 zunehmend mehr Zahnmediziner an den Universitäten Bern und Basel ausbilden lassen, während die Zahlen für Zürich und Genf leicht rückläufig sind. Knapp jeder Dritte beendete sein Studium zwischen 2006 und 2011 (32%). Bei den Zahnärztinnen liegt der Abschluss acht Jahre weniger weit zurück als bei ihren männlichen Kollegen, auch weil sie im Durchschnitt acht Jahre jünger sind. Sie verfügen statistisch signifikant häufiger über ein ausländisches Diplom (34%) als Zahnärzte (27%).
Besassen 2001 die über 60-jährigen Zahn­mediziner am häufigsten ein ausländisches Diplom, sind es heute Behandler im Alter zwischen 36 und 45 Jahren (40%). Zahnärztinnen und Zahnärzte mit ausländischem Diplom haben sich seit 2012 vor ­allem in der Westschweiz und im Tessin niedergelassen. Während die Zunahme in der Deutschschweiz mit drei Prozentpunkten moderat ausfiel, wuchs der Anteil an praktizierenden Zahnärzten mit ausländischen Diplomen in der Romandie um 18 und im Tessin gar um 25 Prozentpunkte. In den Zahnarztzentren stellen die Absolventen ausländischer Universitäten mit 67 Prozent die deutliche Mehrheit (2012: 58%). Sie haben im Schnitt weniger Berufserfahrung als ihre Schweizer Kollegen in Einzelpraxen und Praxisgemeinschaften.
Gemäss der Umfrage 2019 schlossen rund vier von zehn Zahnärzten (42%) mit ausländischem Diplom das Studium in Deutschland ab, ein leichter Rücklauf gegenüber 2012 (46%). Dagegen nahm der Anteil an ausländischen Diplomen aus anderen westeuropäischen Ländern seit 2012 von 4 auf 13 Prozent deutlich zu.

Eigene Praxis

Sechs von zehn Befragten arbeiten heute in einer Einzelpraxis (60%). Bei der letzten Erhebung im Jahr 2012 waren es noch 71 Prozent. Rund ein Viertel praktiziert in Praxisgemeinschaften (22%). Sechs Prozent sind an einer Universität beschäftigt, fünf Prozent in einem Zahnarztzentrum und drei Prozent in einer Schul- oder Volkszahnklinik. Zahnärzte praktizieren signifikant häufiger in Einzelpraxen als Zahnärztinnen (64% vs. 51%). Dagegen ist in Praxisgemeinschaften und Zahnarztzentren der Frauenanteil mit rund 40 Prozent um mehr als zehn Prozentpunkte höher als in Einzelpraxen. Der Anteil an Praxisinhabern ist in den letzten sieben Jahren deutlich gesunken (2019: 68%; 2012: 89%). Ein Grund: 70 Prozent der SSO-­Mitglieder, aber nur 52 Prozent der Nichtmitglieder betreiben eigene Praxen. Allerdings gibt es sprachregionale Unterschiede: In der Deutschschweiz und der Romandie geben noch zwei von drei Zahnärztinnen und Zahnärzte an, eine eigene Praxis zu führen. Im Tessin praktizieren mit 79 Prozent deutlich mehr Behandler in eigenen Räumlichkeiten. Die meisten (69%) sind als Einzelfirmen organisiert. Auch Aktiengesellschaften oder Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH) sind ­verbreitet (20%). Praxisinhaber in der Schweiz haben eine grosse Berufserfahrung. Sie führen ihre Praxen im Durchschnitt seit 15,6 Jahren (2012: 16,5 Jahre; 2001: 16,4 Jahre). Es fällt aber auf, dass sich Zahnärztinnen und Zahnärzte mehr Zeit mit der Praxisgründung lassen: Gaben die Befragten 2001 noch an, nach durchschnittlich 4,8 Jahren eine eigene Praxis zu eröffnen, verstreichen heute im Schnitt 7,8 Jahre vom Staatsexamen bis zum Schritt in die berufliche Selbstständigkeit./p>

Arbeitsbeanspruchung

Die durchschnittliche Arbeitsbelastung ist seit 2012 von 42,9 auf 40,8 Stunden pro Woche gesunken. Knapp zwei Drittel der praktizierenden Zahnmediziner arbeiten zwischen 36 und 50 Stunden pro Woche. 1994 waren es noch 73 Prozent. Dass die durchschnittliche Arbeitsbeanspruchung weiter abnimmt, hängt unter anderem mit dem höheren Anteil an Teilzeitbeschäftigten zusammen. So arbeiten 47 Prozent der Zahnärztinnen höchstens 35 Stunden pro Woche. Jüngere arbeiten länger als ältere. Unter 35-Jährige arbeiten 39,6 Stunden, während die über 65-Jährigen im Schnitt 34,1 Stunden arbeiten. Die höchste Belastung weisen die 46- bis 55-Jährigen auf. Sie arbeiten im Schnitt über 42 Stunden pro Woche.
Die Arbeitsbeanspruchung ist von Arbeits­ort zu Arbeitsort unterschiedlich: Zahnmediziner an Universitätskliniken arbeiten mit 45 Stunden pro Woche deutlich mehr als ihre Kollegen in einer Einzelpraxis (41,8 Stunden), in Zahnarztzentren (38,8 Stunden) oder in Praxisgemeinschaften (38,7 Stunden). Die Ergebnisse sind allerdings mit Vorsicht zu interpretieren, da manche Zahnmediziner an mehreren Orten praktizieren.
Betrachten wir sämtliche Arbeitsorte zusammen, hat sich in den letzten 25 Jahren neben der durchschnittlichen Arbeitsbelastung pro Woche auch die Behandlungszeit reduziert. 1994 gaben 48 Prozent der Befragten an, zwischen 36 und 40 Stunden am Patienten zu arbeiten, heute sind es noch 30 Prozent (2001: 45%, 2012: 36%). Auch die durchschnittlichen Behandlungsstunden sind von 35,7 Stunden (1994) auf 32,7 Stunden pro Woche gesunken (2001: 36 Stunden, 2012: 34,8 Stunden).

Aufteilung der Praxiszeit

Ein Drittel der Praxiszeit entfällt aktuell auf die allgemeinen zahnmedizinischen Fachbereiche (33%). Bei Zahnärztinnen (31%), in Einzelpraxen tätigen Zahnärzten (29%) und Behandlern in der Romandie (31%) fallen die allgemeinen Fachbereiche etwas weniger ins Gewicht. Die übrige Arbeitszeit verteilt sich relativ gleichmässig auf verschiedene Fachgebiete und die Administration. Bei den Spezialgebieten sind Kieferorthopädie und Chirurgie leicht bedeutender als festsitzende Prothetik, abnehmbare Prothetik, Kronen/Brücken und Implantologie. Zahnärztinnen engagieren sich stärker in der Kinderzahnmedizin als Zahnärzte. Letztere bieten dafür mehr kieferorthopädische, chirurgische und endodontologische Behandlungen an als ihre weiblichen Kolleginnen. 30 Prozent der befragten Zahnärztinnen und Zahnärzte geben an, auch kieferorthopädische Eingriffe vorzunehmen. Fachzahnärzte für Kieferorthopädie arbeiten nicht selten als reine Spezialisten: 115 Befragte verrichten ausschliesslich (zwischen 91 und 100 Prozent der Praxiszeit) kieferorthopädische Arbeiten.

Schulzahnpflege und Alterszahnpflege

Der Anteil der Zahnärztinnen und Zahnärzte, die sich in der Schulzahnpflege engagieren, hat sich seit 1994 kaum ­verändert (2019: 52%, 2012: 52%, 2001: 51%, 1994: 50%). Rund die Hälfte der befragten Zahnmediziner setzt sich für die Förderung der oralen Gesundheit an Schweizer Schulen ein. Es sind vor allem Behandler in Einzelpraxen oder Praxisgemeinschaften sowie solche aus Orten mit weniger als 50 000 Einwohnern, die sich für das zahnmedizinische Wohl von Schülerinnen und Schülern einsetzen. Markant weniger aktiv ist die Zahnärzteschaft von Universitätskliniken (24%) und Zahnarztzentren (23%).
Es lassen sich auch sprachregionale Unterschiede feststellen. In der Deutschschweiz (57%) leisten mehr Zahnärztinnen und Zahnärzte Einsatz für die Schulzahnpflege als in der Romandie (34%). Allerdings ist der Stellenwert der Schulzahnpflege hier in den letzten achtzehn Jahren deutlich gewachsen (2019: 34%, 2012: 28%, 2001: 15%). SSO-­Mit­glie­der (55%) sind signifikant engagierter in der Schulzahnpflege als Nichtmitglieder (33%).
Rund die Hälfte der Befragten gibt an, in der Alterszahnmedizin tätig zu sein. Je jünger die Zahnmediziner sind, desto häufiger setzen sie sich für die Bedürfnisse der ältesten Patientengruppe und ihre zahnmedizinischen Probleme ein.

Technische Einrichtungen

In nahezu allen Zahnarztpraxen stehen heute Röntgenanlagen (93%). Die Anlagen sind in den meisten Fällen digital (73%, analog: 29%). Generell beobachten wir ein technisches Aufrüsten: OPT-Geräte (74%), Lasergeräte (41%), optische Abdrucksysteme (24%), Cerec (23%) ­sowie Fernröntgen (24%) finden grössere Verbreitung als noch 2012. Mittlerweile verwalten gut sechs von zehn Zahnarztpraxen ihre Patientendossiers elektronisch (2012: 42%). Jüngere Zahnärzte verfügen über mehr Apparaturen als ­ältere. Die Einzelpraxis ist spärlicher mit technischen Geräten ausgerüstet als das Zahnarztzentrum. Der Ausrüstungsstand korreliert dabei mit der Grösse des Patientenstamms: je mehr Patienten, desto mehr Geräte. Interessant sind die sprachregionalen Unterschiede: Während in Deutsch­schwei­zer Zahnarztpraxen häufiger Lasergeräte, DVT und Cerec installiert sind, setzen Zahnarztpraxen in der Romandie auf Fernröntgen und elektronische Patientendossiers. In Tessiner Praxisräumen stehen vergleichsweise mehr OPT-Geräte.

Beschäftigung von Praxispersonal

Eine durchschnittliche Schweizer Zahnarztpraxis beschäftigt heute 7,8 Angestellte (ohne Praxisinhaber/Zahnarzt/­Zahnärztin), was rund vier Vollstellen entspricht. Der durchschnittliche Personalbestand ist damit in den vergangenen 25 Jahren weiter gestiegen (2012: 6,4 Personen und rund 4 Vollzeitstellen; 2001: 4,2 Personen und 3 Vollstellen; 1994: 3,8 Personen und 2,8 Vollstellen). Am meisten Stellen, im Schnitt 3,3 pro Praxis, entfallen auf Dentalassistentinnen (DA). Sie sind heute in fast allen Praxen vertreten (96%). Ihr Beschäftigungsgrad ist – über alle Zahnarztpraxen betrachtet – zwischen 2012 und 2019 nur noch leicht von 178 auf 185 Prozent gestiegen. Neben dem Zuwachs an DA werden heute auch mehr Dentalhygienikerinnen beschäftigt. Nicht nur ihre Anzahl hat sich seit 1994 von 0,7 auf 1,4 Stellen verdoppelt, sondern auch der Beschäftigungsgrad ist um 19 Prozentpunkte auf durchschnittlich 55 Stellenprozente gestiegen. Bei den Prophylaxeassistentinnen hat sich das Anstellungsverhältnis weiter ­erhöht. Mittlerweile beschäftigen 46 Prozent der Praxen mindestens eine Prophylaxeassistentin, 1994 waren es erst sechs Prozent. Schweizer Zahnarztpraxen stocken nicht nur ihr Praxispersonal auf, sie sind auch zuverlässige Ausbildungsstätten.
Knapp sechs von zehn Zahnarztpraxen bilden heute Lernende aus. Die Lernenden machen mit 0,9 Beschäftigten pro Praxis die drittgrösste Personalkategorie aus (2001: 0,7 Personen in 55% der Praxen; 2012: 0,9 Personen in 60% der Praxen). Zahntechniker dagegen sind nahezu aus den Zahnarztpraxen verschwunden. Nur noch drei Prozent der Zahnarztpraxen beschäftigen heute Zahntechniker.

Assistenzstellen

Vier von zehn Zahnarztpraxen (2012: 32%) beschäftigen heute einen Assistenten oder eine Assistentin. Praxisgemeinschaften (50%), Universitäten (57%) und Zahnarztzentren (60%) stellen häufiger Assistenten an als Einzelpraxen (38%). Der sprachregionale Vergleich macht aber deutlich: Praxisinhaber aus der Deutschschweiz (2019: 41%, 2012: 36%, 2001: 30%) und der Romandie (2019: 40%, 2012: 28%, 2001: 12%) fördern den Nachwuchs häufiger als ihre Kolleginnen und Kollegen aus dem Tessin (2019: 26%, 2012: 19%, 2001: 3%). Die aktuellen Resultate signalisieren aber, dass auch Praxisinhaber aus dem Tessin vermehrt auf den Nachwuchs setzen.
Über die Hälfte der Praxisinhaber gibt heute an, keinen Assistenten zu beschäftigen. Als Hauptgrund nennen sie das reduzierte Arbeitsvolumen (2019: 57%, 2012: 40%, 2001: 31%, 1994: 38%). ­Gegen die Anstellung von Assistenten sprechen auch finanzielle Gründe, kein Bedarf oder fehlende Praxisräume. Erfreulicherweise scheinen sich die Rekrutierungsprobleme, die bei früheren Erhebungen vorgebracht wurden, zu verringern: Nur noch sechs Prozent der Befragten finden keine Assistenten, drei Prozent bemängeln die fachlichen Qualitäten und die Arbeitseinstellung, zwei Prozent haben schlechte Erfahrungen gemacht.

Wünsche betreffend Praxispersonal

In sechs von zehn Zahnarztpraxen entspricht der aktuelle Personalbestand den Vorstellungen des Praxisinhabers bzw. der Praxisinhaberin. Es wird kein zusätzliches Personal gewünscht. Besonders ältere Zahnärztinnen und Zahnärzte äussern weniger Personalwünsche. Sieben von zehn der über 56-Jährigen sind mit dem aktuellen Personalbestand zufrieden. Jüngere Kolleginnen und Kollegen sehen beim Praxispersonal noch Optimierungspotenzial (bis 35-Jährige: 43%). Dentalhygienikerinnen sind am meisten gefragt. Jeder vierte Praxisinhaber wünscht sich heute eine zusätzliche Dentalhygienikerin. Bei den weiteren Personalkategorien herrscht kaum mehr Bedarf. Nur eine Minderheit von Zahnarztpraxen fragen Prophylaxeassistentinnen (10%), Dentalassistentinnen (6%) und Zahn­arzt­assis­ten­ten (6%) nach. Doch der Blick in die Sprachregionen zeigt bemerkenswerte Unterschiede. Praxisinhaber in der Romandie möchten ihr Personal signifikant häufiger (13% vs. Deutschschweiz: 4%, Tessin: 11%) künftig durch einen Praxisassistenten ergänzen.