Jedes Jahr das gleiche. «Impfen schützt», «Mit Grips gegen Grippe», predigt das Bundesamt für Gesundheit immer wieder. Lästig, sich impfen zu lassen – das kostet Zeit. «Ich empfehle jedem Zahnarzt und seinen Mitarbeitern die Grippeimpfung», sagt Christoph Hatz, Chef des Schweizerischen Tropeninstitutes in Basel. «Damit schützt man nicht nur sich, sondern auch seine Mitmenschen. Und Zahnärzte sind besonders nah dran an ihren Patienten.»

Das Grippevirus: Das Hämagglutinin (1) stellt die Verbindung zu den Zellen des Opfers her. Die Neuraminidase (2) spaltet Moleküle in der Zellmembran des Patienten. Das ermöglicht den Viren, sich nach ihrer Vermehrung im Körper zu verteilen und andere Zellen zu befallen. (3) Erbmaterial des Virus, (4) Fetthülle (5) Eiweissschicht

 

Wer einmal eine echte Grippe (Influenza) gehabt hat, weiss, dass das mit einem banalen grippalen Infekt wenig zu tun hat: Plötzliche, heftigste Kopfschmerzen, hohes Fieber und Schüttelfrost, Muskeln und Gelenke tun weh. Man fühlt sich richtig krank und einem ist so übel, dass man selbst leichte Brühe oder Wasser sofort wieder ausspuckt. Eine Influenza kann zu teils schweren Komplikationen führen, etwa Sinusitis, Otitis oder Pneumonie, Myokarditis oder Erkrankungen des Nervensystems wie eine Enzephalitis. In der Schweiz führt die Grippe jedes Jahr zu schätzungsweise 1000 bis 5000 Spitalaufenthalten und zu bis zu 1500 Todesfällen. 90 Prozent der Todesfälle betreffen ältere Personen ab 65 Jahren. 

Am häufigsten lösen die Grippevirus-Typen A(H1N1), A(H3N2) und B die Krankheit aus. Die Buchstaben stehen für die Eiweisse Hämagglutinin (H) und Neuraminidase (N) an der Oberfläche des Virus (Abbildung). Bei der Impfung werden dem Körper abgetötete Viren oder Teile davon verabreicht. Gegen die H- und N-Eiweisse auf diesen Impfviren bildet das Immunsystem Antikörper, die bei einer späteren Infektion eindringende «echte» Grippeviren bekämpfen. Der trivalente Impfstoff enthält die Impftypen H1N1, H3N2 und B, der tetravalente zusätzlich einen zweiten B-Typus. Das Schweizer Bundesamt für Gesundheit empfiehlt die Impfung jedem Menschen über 65 Jahren, Frühgeborenen, Menschen mit bestimmten Risikofaktoren wie chronische Herz- oder Lungenkrankheiten oder Immunschwäche, Schwangeren, Menschen, die in Pflegeheimen leben und Personen, die aus beruflichen oder privaten Gründen mit all diesen Menschen zu tun haben. Die Gesundheitsbehörden in den USA raten hingegen jedem Menschen ab einem Alter von sechs Monaten zur Impfung.
«Einerseits schützt man sich selbst, zum anderen andere», sagt Hatz. «Aber leider ist Altruismus in gewissen Kreisen ein Fremdwort geworden.» Es sei aber belegt, dass geschützte Personen – also auch Zahnärzte – die Krankheit weniger übertragen würden. «Man sollte auch an Mitmenschen denken, denen es immunologisch nicht so gut geht wie einem selbst, und die trifft man täglich.» 70 bis 90 Prozent der geimpften gesunden jungen Erwachsenen sind vor einer Infektion geschützt, bei den Älteren sind es leider nur rund 50 Proezent. «Im Alter funktioniert das Immunsystem zum Aufbau des Impfschutzes nicht mehr so gut», erklärt Hatz. Natürlich hätte er gerne eine wirksamere Impfung. «Aber auch ein Schutz von 50 Prozent ist besser als gar nichts.»