Vom 3. bis 5. Mai trafen sich in Weggis am Vierwaldstättersee 20 zahnmedizinische Fachleute aus 9 Ländern. Sie diskutierten Strategien, um die zunehmenden Munderkrankungen bei älteren Menschen zu bewältigen und den Verlust der Zähne im Alter aufzuhalten. Die Ergebnisse werden auf dem FDI-Kongress in Posen im September präsentiert.

SSO-Präsident Beat Wäckerle begrüsste die Konferenzteilnehmer gemeinsam mit dem FDI-Präsidenten, dem Franzosen Patrick Hescot. Zwei weitere Schweizer nahmen an der Konferenz teil: Prof. Frauke Müller von der Universität Genf und Prof. Martin Schimmel von der Universität Bern, beide Spezialisten auf dem Gebiet der Gerodontologie.

Von links: Hiroshi Ogawa von der WHO, FDI-Präsident Patrick Hescot, SSO-Präsident Beat Wäckerle und Makoto Nakao, Geschäftsführer von GC International AG.

 

Die Konferenz wurde von der FDI organisiert, mit Unterstützung des japanischen Dentalunternehmens GC International AG, das eine Niederlassung in Luzern hat. Gemeinsam haben die FDI und GC die Initiative Oral Health for an Ageing Population OHAP (Mundgesundheit für die alternde Bevölkerung) gegründet.

Nicht nur länger, sondern auch gesünder leben

In Industrienationen wie der Schweiz hat der Zahnverlust in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen. Ältere Menschen haben noch ihre natürlichen Zähne und können sie auch noch gebrauchen. Dagegen könnte Zahnverlust in weniger entwickelten Ländern zu einem verbreiteten Problem werden. Wenn nicht rasch Gegenmassnahmen ergriffen werden, verschlimmert sich die Situation. Denn der WHO zufolge wird der Anteil an über 60-Jährigen in der Weltbevölkerung stark wachsen: von heute 12 auf 22 Prozent im Jahr 2050.

FDI-Präsident Patrick Hescot betonte in seiner Eröffnungsrede: «Die höhere Lebenserwartung der Bevölkerung ist eine grossartige Errungenschaft, die wir den Fortschritten in der Medizin, Technologie, öffentlichen Gesundheit und Politik verdanken. Doch unsere Aufgabe als Zahnärzte ist es, dafür zu sorgen, dass die Menschen nicht nur länger, sondern auch gesünder und ohne Munderkrankungen leben. Denn diese spielen eine fundamentale Rolle für die Allgemeingesundheit und das Wohlbefinden eines Menschen. Die Mundgesundheit ist ein häufig vernachlässigter Aspekt des gesunden Alterns.»

Beat Wäckerle fügte hinzu: «Die Vermeidung des Zahnverlusts ist ausschlaggebend für ein gesundes Älterwerden. Dabei ist der vollständige Verlust der natürlichen Zähne bei älteren Menschen weltweit sehr verbreitet. Hauptgründe sind schwere Zahnkaries und fortgeschrittene Parodontose.»

SSO setzt sich für Gerodontologie ein

Die Ausrichtung dieser Konferenz in der Schweiz fügt sich nahtlos ein ins bisherige Engagement der SSO im Bereich Alterszahnmedizin. Die Schweizer Zahnärzte haben bereits vor einigen Jahren erkannt, wie verletzlich alte Menschen in Pflegeheimen sind, sagte Beat Wäckerle in seiner Grussbotschaft an die Experten. Deshalb setzte sich der Berufsverband das Ziel, die Mundgesundheit und damit die Lebensqualität von älteren Menschen zu bewahren. 2015 initiierte die SSO einen Runden Tisch mit allen Beteiligten, um Massnahmen zur Verbesserung der Alterszahnpflege zu entwickeln. Auch organisierte die SSO das erste Internationale Gerodontologie-Symposium in Bern. Dieses Jahr stellt die SSO den Jahreskongress (9. bis 11. Juni) unter das Motto «Jüngere Zahnärzte – ältere Patienten». Und an der Versammlung vom 23. April schrieben die SSO-Delegierten das Engagement für die Gerodontologie sogar in der Standesordnung fest.


World Dental Federation FDI

FDI ist der Weltzahnärzteverband, dem über eine Million Zahnärzte angehören. Der Verband umfasst etwa 200 nationale Mitgliedsverbände und Expertengruppen in über 130 Ländern. www.fdiworldental.org