Nathalie Randin, in Ihren Medientrainings zeigen Sie den Teilnehmenden, wie man sich vor der Kamera und vor dem Mikrofon am besten verhält. Aber auch die Theorie kommt nicht zu kurz. Dabei sprechen Sie von den goldenen Kommunikationsregeln. Was verstehen Sie darunter?

Das Einhalten einiger einfacher Regeln lässt einen viel überzeugender wirken, wenn man vor einem grossen Publikum spricht. Die wichtigste Frage lautet: An wen wenden Sie sich? Es spielt eine Rolle, ob man die Fragen eines Journalisten des Lokalradios, einer Wirtschaftszeitung, des Schweizer Fernsehens oder der BBC beantwortet. Das ist nicht dasselbe, sie sprechen ein unterschiedliches Publikum an. Sie sollten sich immer fragen, was Ihr Publikum interessiert, welches Vorwissen es hat und was es beschäftigt. Achten Sie darauf, dass Ihre Botschaft verständlich ist. Passen Sie Ihre Aussagen gegebenenfalls an, ziehen Sie Vergleiche, und behalten Sie immer im Hinterkopf, mit wem Sie gerade sprechen.

Kaderpersonen aus Verbänden werden in der Regel ganz spezifische Fragen gestellt. Wie bringe ich das, was ich sagen will, kurz, klar und konkret rüber?

Unkompliziert sprechen, kurze Sätze bilden, viele Beispiele bringen und konkrete Quellen liefern. Gehaltvolle Geschichten kommen immer gut an. Malen Sie Ihre Aussagen aus, und wählen Sie emotionale Worte. Ich empfehle Ihnen weiter, auf Fachjargon möglichst zu verzichten. Ist ein Fachausdruck unumgänglich, sollten Sie diesen erklären. Beschränken Sie sich auf maximal drei Kernaussagen. Ihr Publikum wird Mühe haben, mehr als drei zentrale Punkte und mehr als drei Zahlen zu verarbeiten.

Muss man sich je nach Medium – Radio, Fernsehen, Printmedien – anders auf ein Interview vorbereiten?

Die Vorbereitung ist recht ähnlich. Für alle Medien gilt: Sie sollten sich zuerst darüber klar werden, welche Botschaften Sie übermitteln wollen. Zögern Sie nicht, dem Journalisten zu erklären, mit welchen Herausforderungen Sie es in Ihrem Berufsfeld zu tun haben. Der Journalist wird sicher kein Fachmann für Zahnmedizin sein, er möchte aber ins Bild gesetzt werden. Wärmen Sie Ihre Stimme auf vor einem Radiointerview, artikulieren Sie übertrieben, um die Stimme zu «ölen». Für das Fernsehen gibt es schon etwas mehr zu tun: Versetzen Sie sich in einen wachen, ausdrucksstarken und überzeugenden Zustand, wie ein Schauspieler, der sich auf seinen Auftritt vorbereitet.

Wie bereitet man sich auf heikle und unangenehme Fragen vor?

Fangen Sie damit an, dass Sie sich vorsagen: «Ich halte die Zügel in der Hand. Ich bin gern hier. Es ist eine gute Gelegenheit, um eine Botschaft zu vermitteln, die mir am Herzen liegt.» Der allerbeste Ratschlag, den ich Ihnen geben kann: Bleiben Sie positiv. Und bleiben Sie in Ihrem angestammten Fachgebiet. Begeben Sie sich nicht aufs Glatteis, wo Sie Gefahr laufen, auszurutschen. Die katastrophalsten Interviews sind oft diejenigen, bei denen jemand aus Höflichkeit auf eine Frage eingeht, die ausserhalb seines Gebiets liegt, und zu der er keine fundierten Informationen liefern kann.

Wie wichtig ist die nonverbale Kommunikation bei einem Fernsehauftritt?

Sehr wichtig. Sämtliche Studien zeigen, dass 60 bis 70 Prozent der Aufmerksamkeit des Fernsehpublikums auf die nonverbale Kommunikation fokussiert: Ihre Kleidung, Ihr Haarschnitt, Ihre Energie, Ihr Selbstvertrauen, Ihre Tics. Sie sollten diesen Aspekt nicht vernachlässigen. Er ist ausgesprochen wichtig, genauso wie das Setting, in dem Sie gefilmt werden. Die Chancen stehen gut, dass der Journalist Sie in Ihrer Praxis filmen möchte, in einem weissen Kittel während einer Behandlung. Bleiben Sie dabei so natürlich wie möglich.

Gibt es Fälle, in denen es besser ist, den Journalisten keine Informationen zu liefern?

Ich bin immer für Wahrheit und Transparenz. Es bringt nichts, etwas verschleiern zu wollen. Die Wahrheit kommt letztlich immer an den Tag. Sie können sich hingegen mit dem Journalisten darauf einigen, dass Sie ihm gewisse Informationen «off the record» liefern, damit er Situation und Kontext besser versteht. Er wird Ihnen dafür sehr dankbar sein. Bevor die Kamera läuft, können Sie ihn darüber aufklären, dass Sie auf diese oder jene Frage nicht eingehen möchten. Sie möchten beispielsweise nicht über Ihre Konkurrenten sprechen, oder Sie möchten keine vertraulichen Informationen öffentlich machen. Dabei riskieren Sie höchstens, dass der Journalist anmerkt, dass Sie nicht auf die Frage antworten wollten.

Eine Kaderperson aus einem Verband wird zu einem Fernsehinterview eingeladen. Was raten Sie dieser Person? Welche Checkliste würden Sie ihr mitgeben?

Ich liste im Folgenden die richtigen Fragen auf, die sie einem Journalisten vor einem Interview stellen sollte:
1. Welches Medium fragt an und für welche Sendung?
2. Wird das Interview aufgenommen oder live gesendet?
3. Wann wird das Interview ausgestrahlt? Falls das Thema heikel ist und die Ausstrahlung nicht umgehend erfolgt, haben Sie das Recht, jene Ausschnitte, die Sie betreffen, zu überprüfen (per E-Mail zum Beispiel) oder Ihre Aussagen, die in einem Druckerzeugnis erscheinen sollen, vorgängig zu lesen.
4. Welche Fragen werden gestellt, und wer wird ausser Ihnen noch befragt?

Viel Glück! Schwimmen lernt man am besten, indem man ins Wasser springt!