Zähne sind zäh. Tausende von Jahren nach dem Tod ihres Besitzers bleiben sie immer noch erhalten. Und sie verraten Verblüffendes über die Lebensumstände der jeweiligen Kultur; zum Beispiel, dass Braunkohle im Mittelmeerraum bereits in der Bronzezeit genutzt wurde. 2021 wiesen Archäologen im Zahnstein frühzeitlicher Menschen Russ und Abgase nach, die durch das Einatmen in den Mund gelangt waren. Die chemische Zusammensetzung der Rückstände zeigt: Die Menschen verbrannten zum Heizen und zum Brennen von Keramik nicht nur einheimische Hölzer und Dung, sondern auch Braunkohle. Somit wurde Braunkohle bereits im 13. und 14. Jahrhundert v. Chr. genutzt, rund 1000 Jahre früher als bisher angenommen. Diese Entdeckung erklärt auch, wie die Handwerker der mykenischen Kultur sehr grosse Mengen an Keramikgegenständen herstellen konnten, obwohl die Gegend im heutigen Südgriechenland dicht besiedelt und bereits weitgehend entwaldet war.

Ahnenforschung durch Proteine im Dentin

Die Analyse prähistorischer Zähne half auch, eine neue Menschenart zu erforschen. In den 2010er-Jahren ergab die Datierung einer Karbonatschicht an einem Unterkieferknochen aus China ein Alter von mindestens 160 000 Jahren; der Knochen selbst war vermutlich noch deutlich älter. Einem niederländischen Paläontologen gelang es, aus einem Zahn dieses Unterkieferknochens Eiweissreste zu gewinnen und deren Aminosäuren zu analysieren. Die Technik wird Paläoproteomik genannt. Sie kommt zum Zug, wenn aus fossilen Knochen keine DNA isoliert werden kann. Denn Proteine bleiben im Dentin teilweise länger stabil als DNA.

Die Forscher verglichen ihre Daten mit dem Genom des Denisova-Menschen. Dies ist ein Verwandter des Homo sapiens, dessen Knochen und Zähne zuvor einzig in einer Höhle in Sibirien gefunden worden waren. Es zeigte sich, dass die beiden Populationen verwandt waren. In der Folge konnten weitere Fossilien dem Denisova-Menschen zugeordnet und dessen Verbreitungsgebiet eingegrenzt werden. Es reichte von Südsibirien über Südchina bis nach Australien.

Theorien zur Zahngrösse

Wie die Denisova-Menschen aussahen, weiss man nicht. Ein auffallendes Merkmal sind die ausgesprochen grossen Backenzähne. Im Allgemeinen werden die Zähne der Hominiden immer kleiner. In den letzten 10 000 Jahren ist die Kaufläche etwa alle 1000 Jahre um ein Prozent kleiner geworden. Der Grund dafür ist nicht bekannt. Eine mögliche Hypothese lautet, dass das Kochen der Nahrung diese Entwicklung begünstigte. Da gekochtes Fleisch zarter ist, muss es weniger kräftig und weniger lange gekaut werden. Möglicherweise werden die Zähne aber nur deshalb kleiner, weil sich die Gesichter verkleinert haben oder weil für die Bildung kleinerer Zähne weniger Stoffwechselenergie und Mineralien aus der Nahrung benötigt werden.