Weshalb haben Sie sich entschieden, die Geschäftsführung der SSO-Stiftungen zu übernehmen?

Isabelle Gigandet: Wir arbeiten beide seit langen Jahren im Bereich von Versicherung und Vorsorge zusammen. Nun haben wir die Chance genutzt, einen Seitenwechsel zu machen. Diese neue Perspektive und die unternehmerische Herausforderung sind spannend.

 

Sie übernehmen die Geschäftsführung in einer Co-Leitung. Wie teilen Sie sich Ihre zukünftigen Aufgaben auf?

Oliver Halter: Wir können mit unserem Modell eine gute Stellvertretung gewährleisten, deshalb werden wir die Aufgaben in den Bereichen Vorsorge und Versicherung nicht strikte aufteilen: Die Teamarbeit steht für uns im Vordergrund. Wir haben dazu eine GmbH gegründet, an der wir zu je 50% beteiligt sind. Wir werden also immer einen Konsens finden müssen.

Was sind Ihre Stärken?

Gigandet: Sicher meine fünfzehnjährige Erfahrung mit Verbänden aus verschiedenen Branchen, mit verschiedenen Bedürfnissen.

Halter: Frau Gigandet ist dort stark, wo meine Schwächen liegen: im juristischen Bereich. Wir ergänzen uns ideal: Ich bringe konzeptionelle Stärken mit und bin gut vernetzt. Nach meiner Zeit bei Swiss Life konnte ich bei Helsana Erfahrungen in der Kranken- und Unfallversicherung sammeln; unser verbindendes Element ist die berufliche Vorsorge.

Welches sind zentrale Werte, die Sie in die SSO-Stiftungen einbringen wollen?

Halter: Im Zentrum stehen Kontinuität und hohe Servicequalität, aber auch Sicherheit. Hier möchten wir die ausgezeichnete Arbeit des bisherigen Geschäftsführers Paul Hostettler weiterführen. Wir werden zusammen mit den erfahrenen Mitarbeitenden der Geschäftsstelle auf die bisherigen Tugenden bauen, wir kennen die SSO-Stiftungen ja seit vielen Jahren.

Weshalb soll sich ein Zahnarzt, eine Zahnärztin bei den SSO-Stiftungen versichern und nicht bei einer privaten Vorsorgestiftung oder Versicherung?

Gigandet: Weil die Angebote der SSO-Stiftungen auf die Bedürfnisse von Zahnärztinnen und Zahnärzten zugeschnitten sind und weil die Versicherten von den Vorteilen eines grossen Kollektivs profitieren.

Halter: In der Vorsorge können wir branchenspezifische Angebote machen, das ist für die Praxisinhaber und ihre Angestellten von Vorteil.

Die SSO-Stiftungen bieten einerseits Vorsorgelösungen, anderseits Versicherungen an – welche Schwerpunkte setzen Sie bei der Vorsorge, welche bei den Versicherungen?

Gigandet: Bei der Vorsorge ist es der sorgsame Umgang mit Geldern der Versicherten. Ein wichtiges Projekt betrifft die Einführung von Wahlplänen mit individuellen Anlagemöglichkeiten.

Halter: Im Bereich der Versicherungen denken wir über eine Ausweitung des Dienstleistungsangebots nach, zum Beispiel bei den Sach- und Haftpflichtversicherungen, bei Kollektivverträgen im Bereich der privaten Krankenversicherung oder beim Financial Consulting. Zentral sind die Bedürfnisse der Zahnärztinnen und Zahnärzte SSO, die wir vorab erfragen möchten. Wir können uns vorstellen,  dazu professionelle Umfragen zu nutzen; wichtig und lehrreich sind aber auch persönliche Gespräche mit unseren Versicherten.

Wohin entwickelt sich der Umwandlungssatz (BVG) – müssen die heutigen und künftigen Rentner um ihre Leistungen bangen?

Gigandet: Wir müssen der Realität ins Auge schauen – die Menschen werden älter, und das Geld vermehrt sich nicht von selber. Ökonomisch gesehen ist klar, dass der Umwandlungssatz sinken wird. Was aber auch gesagt werden muss: Für Neurentner wird es Übergangsmassnahmen geben; und heutige Rentenbezüger sind davon nicht betroffen, ihre Renten werden nicht gekürzt.

Stimmt es, dass jüngere Generationen im Vorsorgebereich übermässig belastet werden, um die Renten der älteren Generation zu sichern?

Halter: Bei der zweiten Säule haben wir im Gegensatz zur AHV ein Kapitaldeckungs- und kein Umlageverfahren. Faktisch findet aber eine starke Umlagerung zulasten der Jungen und zugunsten älterer Menschen statt.

Bereiten Ihnen die momentanen Negativzinsen der Nationalbank Kopfschmerzen?

Gigandet: Die Politik auferlegt der beruflichen Vorsorge einerseits Garantiezinsen für die Anlagen der Versicherten, auf der anderen Seite werden  Negativzinsen belastet – das ist ein Widerspruch.

Halter: Die SSO-Stiftungen konnten Negativzinsen bisher dank guter Zusammenarbeit mit Partnern vermeiden. Das ist nicht selbstverständlich; daran werden wir auch in Zukunft arbeiten.

Stichwort Versicherungen: Was können die Praxisinhaber von Ihnen erwarten?

Halter: Im Bereich Haftpflicht- oder Rechtsschutzversicherungen könnten wir uns ein zusätzliches Angebot vorstellen oder eine private Krankenversicherung mit zusätzlichen Leistungen. Wichtig ist ein attraktives Preis-/Leistungsverhältnis und das Prinzip: Das Bestehende auf einem hohen Qualitätslevel fortführen und sukzessive mit neuen Angeboten für Praxisinhaber und ihre Angestellten ergänzen. Wir möchten eine hohe Service- und Beratungsqualität bieten und möglichst nahe beim Kunden sein. Und wir wollen Vorsorge, Versicherungen – eventuell auch Financial Consulting – aus einer Hand anbieten.

Im Versicherungsmarkt herrscht eine harte Konkurrenz – wie wollen Sie sich in diesem umkämpften Umfeld behaupten?

Gigandet: Bei Versicherungen geht es immer um Menschen, die Beratung brauchen. Wenn ein Zahnarzt, eine Zahnärztin SSO eine neue Praxis eröffnet, soll er oder sie alle nötigen Versicherungslösungen über die SSO-Stiftungen abschliessen können. Wir bieten eine Gesamtlösung an, die kompetente Beratung und Zeitersparnis bringt, weil sich der Praxisinhaber nicht selber um alles kümmern kann. Das ganze Paket aus einer Hand, zugeschnitten auf die Bedürfnisse der Praxis, die Angestellten eingeschlossen.

Was ist Ihre Kernbotschaft an bestehende und neue Versicherungskunden der SSO-Stiftungen?

Gigandet: Wir gewährleisten Sicherheit und Kontinuität, eine vernünftige Rendite auf das angelegte Kapital, gute Servicequalität und einen Ausbau der Dienstleistungen ...

Halter: ... gepaart mit einem hohen Verständnis für die spezifischen Bedürfnisse der Branche: Wir müssen wissen, was die Kunden von uns erwarten. Ich habe mit meinem behandelnden Zahnarzt über die SSO und ihre Dienstleistungen diskutiert – ich weiss seither, dass er bei den SSO-Stiftungen versichert ist. Ich bin von ihm und seiner Behandlungsqualität begeistert und hoffe, dass er genauso begeistert ist von unseren Angeboten.

Wo sehen Sie die grössten Chancen, wo die grössten Risiken für die Zukunft der SSO-Stiftungen?

Halter: Die Chancen und Risiken der SSO-Stiftungen sind dieselben wie für alle Vorsorgeeinrichtungen, Stichworte sind: Demografie, Kostendruck, ein gewisser Anlagenotstand bei der beruflichen Vorsorge; bei der SSO-Vorsorgestiftung gilt es, für Zahnärztinnen und Zahnärzte SSO erste Adresse zu bleiben. Wenn wir uns nicht weiterentwickeln, besteht das Risiko, dass wir Versicherte an die Konkurrenz verlieren. Die grosse Chance liegt natürlich darin, dass wir verbandsnahe Lösungen anbieten können. Wir verschaffen den SSO-Mitgliedern einen Mehrwert und tragen dazu bei, dass die SSO-Mitgliedschaft attraktiv bleibt. Wenn wir diesen Vorsprung nutzen, werden wir unsere Marktposition nicht nur halten, sondern auch ausbauen können, besonders bei den SSO-Services.

Ihr Wunsch an Bundesrat und Parlament bei der anstehenden Reform der Sozialwerke?

Gigandet: Unsere Vorsorge ist auf dem Drei-Säulenprinzip aufgebaut. Wir müssen sicherstellen, dass es nicht auseinanderbricht – alle drei Säulen müssen eigenständig bleiben. Und wir dürfen uns durch Interessenpolitik nicht aufs Glatteis führen lassen: Die Sicherheit unserer Vorsorgegelder hat erste Priorität.

Halter: Mein Anspruch an die Politik ist, dass sie sich fachlich fundiert mit dem Thema auseinandersetzt: Der Umwandlungssatz ist keine Frage von links oder rechts, sondern von Lebenserwartung und statistischer Wahrscheinlichkeit.

Frau Gigandet, Herr Halter, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.