Der Premiere von SSO Campus war Glück beschert: Es war einer dieser letzten lauen Abende, die der Spätsommer bringt. Auf der Dachterrasse des Berner Eventlokals Kubus verbrachten rund 70 junge und angehende Zahnärztinnen und Zahnärzte einen geselligen Abend, an dem sie das zuvor Gehörte und Gelernte vertieften. Denn begonnen hatte der Anlass mit vier Referaten zu praktischen Themen des zahnärztlichen Alltags.

Überzeit muss abgegolten werden

Den Anfang machte die Rechtsanwältin Stefanie Meier-Gubser, die erläuterte, worauf bei Arbeitsverträgen zu achten ist. Denn das Gesetz regelt zwar viele Punkte, in einigen Bereichen besteht im Arbeitsvertrag aber Spielraum. Zum Beispiel was Kündigungen während der Probezeit betrifft: Hier kann man vertraglich regeln, wie lang die Kündigungsfrist ist.

Ein weiteres Thema sind Überzeit und Überstunden –in der Fachsprache ist das nicht dasselbe. Das Arbeitsgesetz legt fest: Maximal 50 Stunden pro Woche darf man als Zahnarzt oder Zahnärztin arbeiten. Alles, was über diese gesetzliche Höchstarbeitszeit hinausgeht, ist Überzeit und muss kompensiert oder mit ­einem Lohnzuschlag von 25 Prozent abgegolten werden.

Überstunden hingegen sind jene Stunden, die über die im Vertrag vereinbarte Arbeitszeit hinausgehen. Was mit diesen Überstunden passiert, kann im Vertrag geregelt werden. Wenn nichts vermerkt ist, dann steht dem Arbeitnehmer ebenfalls ein Lohnzuschlag von 25 Prozent zu – oder mit seinem Einverständnis eine Kompensation.

Bezüglich Abgeltung von Überstunden hat der Arbeitgeber also mehr Spielraum als bei der Abgeltung von Überzeit. Klar ist: Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, Mehrarbeit zu leisten, solang diese zumutbar ist. Man kann sich also nicht grundsätzlich weigern, Überstunden zu machen.

Berufsausübungsbewilligungen stehen im Medizinalberuferegister

Stefanie Meier-Gubser übergab das Mikrofon Irène Hitz, der Kantonszahnärztin des Kantons Basel-Stadt. Sie erklärte, wann Zahnärztinnen und Zahnärzte eine kantonale Berufsausübungsbewilligung, kurz BAB, benötigen – und wie sie an eine solche gelangen. «Sobald eine Zahnärztin in eigener fachlicher Verantwortung arbeitet, braucht sie eine BAB», sagte Hitz. Das gelte sowohl für Zahnärztinnen und Zahnärzte, die eine eigene Praxis führen, als auch für Personen, die bei ­einer AG oder einer GmbH angestellt sind. Wer aber unter Aufsicht arbeite, was häufig direkt nach dem Studium der Fall sei, brauche noch keine BAB.

Wer in einem bestimmten Kanton eine BAB erhalten will, braucht ein eidgenössisches oder anerkanntes (ausländisches) Zahnarztdiplom, Sprachkenntnisse in der Amtssprache der Region, in der man arbeiten möchte, einen Strafregisterauszug sowie eine Unbedenklichkeitserklärung des Kantons, in dem die Zahnärztin oder der Zahnarzt bereits gearbeitet hat. Die Ausstellung der BAB ist kostenpflichtig, und sie ist nur für den jeweiligen Kanton gültig, in dem sie beantragt wurde.

Wer über eine BAB verfügt, erhält ­einen Eintrag im Medizinalberuferegister des Bundes. Dort sind auch Weiterbildungen, Sprachkenntnisse sowie die Bewilligungsdauer (im Fall einer 90-Tage-Bewilligung) oder ein allfälliger Bewilligungsentzug vermerkt. Irène Hitz richtete zudem einen Appell an die interessierte Zuhörerschaft: «Melden Sie uns doch bitte einen allfälligen Kantonswechsel.» Oft geht dies vergessen, und der Eintrag im Medizinalberuferegister ist dann nicht mehr aktuell.

Weiterbildung – berufsbegleitend oder Vollzeit?

Dann ergriffen die beiden jungen Zahnärztinnen Laura Flückiger und Daniela Scherrer das Wort. In ihrem Referat beleuchteten die beiden am Beispiel ihres eigenen Berufs- und Lebenswegs verschiedene Herausforderungen. Und sie diskutierten mit dem Publikum, wie eine Weiterbildung zu bewältigen ist – und wann eine Praxisgründung Sinn ­ergibt.

Die beiden Frauen zeigten zwei unterschiedliche Wege auf: Daniela Scherrer absolvierte ein dreijähriges Weiterbildungsprogramm (MAS) zur Fachzahnärztin in rekonstruktiver Zahnmedizin während eines Vollzeitstudiums. Einerseits hatte sie keine Wahl, denn dieses Weiterbildungsprogramm existiert nicht berufsbegleitend. Andererseits schätzte Scherrer das universitäre Umfeld und die Einblicke in Lehre und Forschung.

Laura Flückiger wiederum absolvierte ihre Weiterbildung (MAS) in Parodon­tologie während eines dreijährigen, berufsbegleitenden Studiums. Daneben arbeitete sie in drei verschiedenen Zahnarztpraxen weiter. «So konnte ich die guten Arbeitsstellen behalten», sagte Laura Flückiger. Das Zeitmanagement war aber sehr anspruchsvoll. Etwa zwei Tage bis eine Woche im Monat musste sie für die Universität aufwenden, hinzu kamen Hausaufgaben und eine Abschlussarbeit. Um das zu bewältigen, muss man bereit sein, unbezahlt Ferien zu nehmen.

Anschliessend übernahm Laura Flückiger eine Praxis, während Daniela Scherrer heute in der Praxis ihres Vaters tätig ist. «Lasst euch nicht davon abschrecken, eine eigene Praxis zu gründen», sagte Laura Flückiger zu ihren Zuhörerinnen und Zuhörern, nachdem eine Umfrage per Hand ergeben hatte, dass das Interesse hierfür im Publikum gegenwärtig bescheiden war. Denn eine eigene Praxis bietet den Vorteil, das eigene Arbeits­umfeld selbst gestalten zu können. Ein hohes Engagement ist aber gefordert, denn: «Man ist wirklich selbst und ständig dran.»

Die eigene Marke stärken

Den Abschluss der Referate-Runde machte dann der Marketing-Experte ­Lukas Rüegg von der Branding-Agentur Source. Er machte in seinem Vortrag klar, dass Zahnärztinnen und Zahnärzte nicht daran vorbeikommen, ein Markenbewusstsein aufzubauen. «Auch die Zahnärztin ist eine Marke, ob sie will oder nicht», sagte er. Es lohnt sich, sich zu überlegen, wie man die eigene Praxis präsentieren will, denn unbewusst nehmen die Patientin und der Patient jedes Detail war. Und: Eine starke Marke schafft Vertrauen. «Eine Marke bietet Orientierung, wo die Auswahl sehr gross ist.»

Lukas Rüegg gab den Zuhörerinnen und Zuhörern zehn Tipps mit auf den Weg, wie die eigene Marke aufgebaut werden kann. Darunter zum Beispiel Tipp Nummer 3: «Zeige deine Persönlichkeit.» Oder Tipp Nummer 4: «Erzähle deine Geschichte.» Was aber ist denn die «Geschichte» bei einer Zahnärztin oder ­einem Zahnarzt? «Erzählt, was euer innerer Antrieb ist, das zu tun, was ihr tut», sagte Rüegg. Die eigene Marke zu stärken, heisst also auch, sich des Grunds bewusst zu sein, weshalb man Zahnärztin oder Zahnarzt geworden ist.

Dann ging es weiter zum Messestand des Sponsors Straumann, an dem es einen Wettbewerb zu gewinnen gab – oder auf die Dachterrasse. «Ich finde es super, dass sich die SSO für die Jungen engagiert und diesen Event veranstaltet», sagte eine Teilnehmerin anschliessend. Für die SSO war der Anlass somit ein Erfolg, denn das Ziel wurde erreicht: angehende und junge Zahnärztinnen und Zahnärzte weiterzubringen.

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