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Bitte lächeln!

  • 31.01.2018
  • Porträts, die Zähne zeigen

    Der amerikanische Präsident George Washington besass nur noch einen einzigen Zahn, als er mit 57 Jahren der erste Präsident der USA wurde. Zur Zeit seiner Amtseinführung konsultierte er deshalb den Zahnarzt John Greenwood, um sich ein Gebiss anpassen zu lassen. Dieser fertigte ihm eine Vollprothese an, die aus dem Stosszahn eines Flusspferdes geschnitzt war. Greenwood transplantierte auch echte Zähne und war der erste Zahnarzt, der einen Zahnbohrer mit Fussantrieb konstruierte.

    Im Laufe der Zeit beschäftigte Washington insgesamt neun Zahnärzte. Ein weiteres Gebiss stammte von Charles Willson Peale, der ein bekannter Porträtmaler war. Bis heute gilt sein Portrait Washingtons als das am besten getroffene, es prangt noch immer auf der Ein-Dollar-Note. Es ist sicher kein Zufall, dass dieser Zahnarzt ein exzellenter Porträtmaler war. Schliesslich studieren Zahnärzte unentwegt menschliche Gesichter.

    Die schlechten Zähne der reichen Leute

    Keines der Porträts von George Washington zeigt sein Gebiss. Dass Menschen auf Porträts lächeln, ist in der Kunstgeschichte eher die Ausnahme. Der Luzerner Historiker Valentin Groebner führt dies darauf zurück, dass es vor dem 20. Jahrhundert keinen vernünftigen Zahnersatz gab. Reiche Leute hatten damals aufgrund des hohen Zuckerkonsums oft sogar schlechtere Zähne als die Armen. Und da sie mangels Zahnhygiene unter Mundgeruch litten, öffneten sie diesen nicht gern. Nur wenn die Hinfälligkeit und Lächerlichkeit des Alters dargestellt wurden, stellte man die – oft schadhaften – Zähne auch malerisch zur Schau. Eine Ausnahme stellt die Barockzeit dar. Der holländische Maler Frans Hals malte gerne fröhliche, lachende Menschen, die jung waren und deshalb noch gute Zähne hatten.

    Auch in der Gegenwartskunst spielt das Lachen immer wieder eine Rolle. So zeigt der chinesische Maler Yue Minjun Menschengruppen mit identischem, zwanghaftem Lachen in grotesken Situationen, die uns die Gleichschaltung von Menschen vor Augen führen. Die Berliner Künstlerin Bärbel Rothhaar erklärt: «Gerade das Lächeln oder Lachen ist ein kurzes Aufblitzen der Seele. Wenn es authentisch ist, spielt die gesamte Mimik mit. Wenn nur der Mund lächelt, die Augen aber nicht, stimmt etwas nicht im Gesicht. Kein Modell könnte ein authentisches Lachen über längere Zeit halten.» Damit wird klar, dass das Zeigen der Zähne nicht das Entscheidende ist, sondern die Art und Weise, wie die gesamte Gesichtsmuskulatur zusammenarbeitet.

    Text: Dr. Wolfgang Krüger, Berlin


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